Erinnerungen an die III. Knaben- Volksschule - Unsere Menschen

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Schulen
Erstkommunion in der III. Knabenvolksschule
ca. 1935
Erinnerungen an die III.Knaben- Volksschule
in der Gabelsberger Strasse
in Komotau

von Helmut Mürling

Die Erinnerungen an die Zeit um das Jahr 1943 sind spärlich. Als 6jähriger Bub wurde ich schulpflichtig. Die Schule war in der Gabelsberger Straße. Diese verlief in südlicher Richtung zwischen der Badgasse und der Eidlitzer Straße. Benannt war sie nach dem Erfinder der Stenographie. Von unserem Haus Badgasse 35 hatte ich gerade mal 5 Minuten zu laufen.
Wir befanden uns im 2. Weltkrieg. Mein Vater war Soldat bei der Wehrmacht in Frankreich.
Anfang September wurde ich in die III. Knaben- Volksschule eingeschult. Schultüte mit Süßigkeiten gab es nicht, es war ja Kriegszeit.
Mein erster Lehrer war Oberlehrer Thiel. Auch mein Bruder Alfred hatte ihn 10 Jahre zuvor. Thiel war Kriegsinvalide von Ersten Weltkrieg. Wir kannten ihn nur mit zwei Krücken. Den Turnunterricht leitete Fräulein Hauptvogel. Den Religionsunterricht lehrte Katechet Walter, der Kaplan von St. Barbara in Oberdorf (Komotau II).
Der Unterricht war geprägt von der Idee der Nationalsozialisten und dem Sieg Deutschlands über seine Feinde. Mein Verstehen hielt sich in Grenzen. Das erste Fach war "Leibeserziehung"- Turnen-, doch auch hier erwies ich mich nicht als Elitesportler.  an Katechet Walter erinnere ich mich, daß er ein guter Erzähler der Schöpfungsgeschichte war. Auch das Evangelium verstand er gut zu erläutern.
In der Schule der Gabelsberger Straße war ich bis ca. Feber 1945 eingeschult. Durch die Flüchtlingswelle aus Schlesien brauchte man Raum zur Unterbringung derselben. Wir wurden in die Knaben- Volksschule am Schulplatz geschickt. Zu dieser Zeit gab es vermehrt Fliegeralarme. Der Aufenthalt im Luftschutzkeller war obligatorisch. Für uns war ein solcher unterm Rathaus und unterm Gericht. Dort erlebte ich die hell erleuchtete Nacht, als Dresden bombardiert wurde.
Mama tat ihren Dienst als Briefträgerin in der Prager Straße und später bei Kienzle in der Werkstatt für Bombenzünder. Bruder Alfred war beim Arbeitsdienst, zuerst in Oldenburg und dann auf der Insel Borkum.
Dann kam das Ende des schrecklichen Krieges. Deutschen Unterricht gab es keinen mehr. Die Schulen wurden als tschechische Schulen weiter geführt. Dort meldete mich Mama erst gar nicht an. Nach der Vertreibung im Jahre 1946 blieb ich in der Schule einen Jahrgang zurück und wurde auch als solcher aus Hauptschule im Jahre 1952 entlassen.
 
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